...das Lied der Körnchen...
Es war ein goldener Spätherbsttag, als ich den Motor meines alten, treuen Rosses – dem Steyr 80 – anließ. Die Luft roch nach Erde und reifem Getreide. Hinter mir glänzte der vollbeladene Anhänger bis zum Rand mit Hirse befüllt.
Die kleinen, rötlichen Körner glänzten im Sonnenlicht.
„Na komm, mein Guter“, murmelte ich und tätschelte das Armaturenbrett.
Mit einem tiefen Grollen setzte ich das Gespann in Bewegung.
Der Weg vom Feld zum Hof war holprig. Ich fuhr mit Bedacht, denn ich wollte kein einziges Korn meiner kostbaren Ernte verlieren.
Ich genoss das gleichmäßige Tuckern des Motors und den weiten Blick über das Hügelland.
Als ich den Hof erreichte steuerte ich den Traktor zentimetergenau rückwärts an die Gosse des großen Getreidesilos. Mit einem geübten Griff löste ich die Verriegelung der Kippmulde.
Langsam hob sich der Anhänger. Wie ein kleiner Wasserfall rauschte die Hirse in den Trichter. Das leise Prasseln der Körnchen klang für mich wie Musik – es war das Geräusch einer erfolgreichen Ernte und harter Arbeit, die sich nun auszahlte.
„Sicher im Trockenen“, sagte ich zufrieden zu mir selbst, als das letzte Korn verschwunden war. Ich stellte den Motor ab, und für einen Moment war es ganz still auf dem Hof.
Die Hirse war sicher im Silo, und ich wusste: Der Winter konnte kommen.
